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Seite 1 von 2 In der Ausgabe 140 berichteten wir, dass die BrasilienNachrichten ab jetzt auch in der Lufthansa mitfliegen. Dies wurde möglich, da Anfang des Jahres die Lufthansa sich bereit erklärte, unser Magazin auf der Stecke Frankfurt – São Paulo auszulegen.
Bedingung war, dass wir, d.h. die Brasilieninitiative Freiburg e.V. als Herausgeberin, pro Exemplar 1.- € an die Lufthansa für die Kosten bezahlt. Nach einem internen Diskussionsprozess entschied sich die Mehrheit der Mitglieder der Brasilieninitiative dafür, dieses finanzielle Risiko einzugehen und pro Flug zunächst zwanzig Exemplare „auf die Reise“ zu schicken. Bei täglich einem Flug bedeutete dies monatliche Kosten von 560.- €. Ein Antrag bei InWent, einer Organisation des BMZ, auf Unterstützung dieser „innovativen Vermittlung entwicklungspolitischer Sachverhalte“ hatte Erfolg: Die Mitfinanzierung für ein Jahr wurde bewilligt. Am 1.Mai begann schließlich das „Mitfliegen“ der BrasilienNachrichten: Aber nach nur sechs Wochen kam bereits ohne jede Begründung die Kündigung. Nach mehreren Telefonversuchen deutete ein Lufthansa-Mitarbeiter an, dass es „massiven Druck eines Großkunden“ gegeben habe. In der in Frage kommenden Ausgabe berichteten wir in einem Artikel über das in Brasilien umstrittene Thyssen-Stahlwerk bei Rio de Janeiro, das die Lebensgrundlage von Fischerfamilien in der Guanabara-Bucht bedroht. Bei dem erwähnten Großkunden scheint es sich also um Thyssen zu handeln. Mehrere Schreiben an Lufthansa mit der Bitte um eine Begründung und mit dem Ersuchen nach einem klärenden Gespräch blieben zunächst unbeantwortet. Mitte August schließlich erreichte uns ein Schreiben, in dem uns mitgeteilt wurde, dass die Lufthansa festgestellt habe, dass die Kundenakzeptanz der BrasilienNachrichten nicht ausreichend gewesen sei. Dies kann nur eine Schutzbehauptung sein, denn angesichts der Kürze der Belieferungszeit und der geringen Beilagenzahl ist eine Kundenakzeptanz nicht objektiv messbar. Dass Lufthansa so schnell auf Druck reagiert, wirft ein schlechtes Licht auf dieses deutsche „Aushängeschild“ der Lüfte. Der für diese Entscheidung Verantwortliche wird von seinen Vorgesetzten gedeckt und meldet sich zunächst nicht zu Wort. Dieser Hochmut, dieses fragwürdige Verständnis von Pressfreiheit ist ein Skandal. Den nach Brasilien Fliegenden werden wertvolle Informationen über Land und Leute vorenthalten. Bleibt eine Frage: Hätte Lufthansa den „Mut“ gehabt, beispielsweise dem „Spiegel“ als bezahlendem Großkunden wegen eines kritischen Artikels zu kündigen? Am 20.September kam es schließlich zu einem Telefongespräch mit Christian Körstgen, der sich als Verantwortlicher des Produktmanagements zu erkennen gab. Im Gespräch wies er darauf hin, dass es bei Lufthansa üblich sei, bei neuen Produkten nach vier Wochen einen „Check“ zu machen. Dies bedeute bei Zeitschriften, wie häufig sie abgefragt würden und ob es beispielsweise „Kundenbeschwerden“ gebe. Einflussnahme von außen, wie im vorliegenden Fall von Seiten Thyssen, wies er zurück.
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