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Seite 1 von 2 Aus Brasilien erreichte uns dieser Bericht von Maika Schwade.Er ist Mitarbeiter des Casa da Cultura Urubuí (CACUÍ) im Munizip Presidente Figueiredo (Amazonas).
1980 verurteilte das IV. Russell-Tribunal in Rotterdam die Regierungen des Irak, des Iran und der Türkei unter anderem, weil sie den freien Verkehr der Kurden unterbanden, eines Volkes, dessen Territorium sich über die Grenzen dieser drei Länder erstreckt. Heute leiden indigene Völker, deren Territorien sich in Brasilien und angrenzenden Ländern befinden, unter demselben Problem. Ich erfuhr dies hautnah, als ich mich an der Indigenen Universität von Venezuela aufhielt, wo ich im Mai und Juni 2009 als Freiwilliger arbeitete. Bei der Rückkehr nach Brasilien baten mich zwei junge Männer vom Volk der Sanema, das zur Gruppe der Yanomami gehört, sie bis in das Bundesland Roraima zu begleiten, wo sie sich mit Leitungskräften der Yanomami, unter ihnen Davi Kopenawa, treffen wollten. Seit Jahrhunderten leben die Sanema in einem Waldgebiet zwischen den Becken des Amazonas und des Orinoko, ein Gebiet, welches sich heute Brasilien und Venezuela teilen. Ich ging davon aus, dass niemand dem Volk sein Recht, zwischen beiden Staaten hin- und herzugehen, versagen würde. Jedoch, entgegen den brasilianischen Gesetzen und unter Verletzung internationaler Verträge (zu deren Unterzeichnerstaaten auch Brasilien gehört!) verbot die brasilianische Bundespolizei den beiden auf venezolanischer Seite geborenen Indigenen die Einreise nach Brasilien, weil sie die „erforderlichen“ Pässe nicht vorweisen konnten. Der Reisepass wirft eine ganze Reihe von Fragen auf, besonders was seinen Nutzen in diesem Fall angeht. Wie kann man Pässe von Angehörigen eines Volkes verlangen, die lediglich auf ihrem eigenen Territorium reisen wollen? Wie kann man Pässe ausgeben an Menschen, die keine Bürokratie kennen, ein Wort übrigens, das es in ihrer Kultur auch nicht gibt? Wie kann mitten im Urwald ein Visum eingestempelt, wie ein Grenzübertritt kontrolliert werden? Andrerseits, selbst wenn der Staat die komplette Verfügungsgewalt über seine Grenzen hätte, wie könnte er aber über ein Volk bestimmen, das weder brasilianisch noch ausländisch ist, sondern nicht mehr und nicht weniger als das Volk der Sanema, Guaraní, Tiriyó oder Tikuna? Tatsächlich wird mit dem gegenwärtigen Modell nur deren kulturelle Vernichtung erreicht.
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