Dilma Rousseff erste Frau in Brasiliens Präsidentenamt PDF Drucken E-Mail

Wahlkampf:„Mailen, bloggen, twittern ...“

Der letzte Wahlkampf in den USA hatte deutlich gemacht, welche Bedeutung Kommunikation im Internet spielt. Nach den neusten Daten, welche die Internationale Fernmeldeunion (ITU) am 19. Oktober 2010 auf der Grundlage einer Studie der Vereinten Nationen veröffentlichte, hat fast ein Drittel der Weltbevölkerung Zugang zum Internet. Dabei gibt es aber sehr große regionale Unterschiede: 71% der Internetnutzer leben in Industrieländern, nur 21% in sogenannten Entwicklungsländern. Brasilien dürfte eine Quote haben, die zwischen diesen beiden Daten liegt, wobei das Land aber große regionale und soziale Unterschiede im Zugang zum Netz aufweist. Das Internet wurde im Wahlkampf vor dem ersten Urnengang und dann noch einmal verstärkt vor dem zweiten genutzt.
Hier folgt ein Beispiel für eine E-mail, die im Schneeballsystem verbreitet wurde, und die nach Erhebungen der Wochenzeitung The Economist Unterschiede zwischen der Politik von Fernando Henrique Cardoso (FHC) mit José Serra auf der einen und Lula und Dilma Rousseff auf der anderen Seite aufzeigen sollte.
Da standen sich u.a. gegenüber: Mindestlohn:  FHC 78
US-$ - Lula 210 US-$; Auslandsschulden: FHC keine Veränderung – Lula bezahlt; neue Bundesuniversitäten: FHC keine – Lula 10; Technikerschulen: FHC keine – Lula 214; soziale Mobilität: FHC 2 Mio. verließen die Kategorie Armut – Lula 23 Mio. verließen diese Kategorie; neue Arbeitsplätze: FHC 780.000 – Lula 11.000.000; Investitionen in die Infrastruktur: FHC keine – Lula 504 Mrd. R$. Daten, die zu Diskussionen führten, wenn auch die genaue Quelle fehlte, vielleicht, weil noch zu neu ist, mit diesem Medium zu arbeiten. Für die Region, die im ersten Wahlgang mit über 60% für Dilma stimmte, Brasiliens Nordosten, gilt ja, dass hier die meisten Menschen, vor allem die im Landesinnern, keinen Zugang zum Internet haben. Hier kommen die traditionellen Elemente der Wahlpropaganda zum Einsatz. Ein Beispiel dafür sind Radio- und Fernsehwerbung, durch die Straßen fahrende Lautsprecherwagen, Aufkleber und Zettel. Vom Letztgenannten hier ein Beispiel aus dem Wahlkampf der PSDB des Kandidaten José Serra.

Wahlkampf unter der Gürtellinie

Drei Elemente stellte die PSDB in ihrem Anti-Dilma-Propagandazettel heraus, die Abtreibung, den Komplex Drogen, Waffen und Tod und die Korruption. „Dilma Rousseft ist für die Abtreibung“, heißt es da. Dass die Gegner von Dilma offensichtlich nicht in der Lage sind, den Namen der Kandidatin richtig zu schreiben, im nächsten Absatz heißt sie dann „Roussef“, sei hier nur am Rande vermerkt. „Wir Christen können nicht zulassen, dass die Kandidatin Dilma Roussef, die das heilige Recht auf Leben missachtet, gewählt wird.“ Im nächsten Absatz folgt: „Die PT und Dilma Rousseff sind mit der sich FARC, Bewaffnete Revolutionäre Streitkräfte, nennenden Terroristengruppe aus Kolumbien verbandelt.“ Als Quelle wird eine Internetadresse genannt, auf der ein Dokument gezeigt wird, durch welches Dilma die Berufung von Angela Maria Slongo auf einen Posten im Fischereiministerium abzeichnet. (Anmerkung des Verfassers: Slongo ist die Ehefrau von Olivério Medina (eigentlich: Francisco Antonio Cadena Collazos), Ex-Priester und Repräsentant der FARC in Brasilien, wo er den Status eines politischen Flüchtlings hat.) Immerhin ist hier Dilmas Familienname richtig geschrieben. Der dritte Komplex handelt von der Korruption. „Noch nie in der Geschichte dieses Landes gab es so viel Korruption.“ Dann folgen Hinweise auf die tatsächlich geschehenen Korruptionsfälle, die zu zahlreichen Rücktritten im Regierungslager von Lula geführt hatten – eher zum Lachen war dabei lediglich der Fall des PT-Assessors Viera da Silva, der im Juli 2005 erwischt wurde, als er 200.000 R$ in einem Koffer und 100.000 US-$ in der Unterhose transportierte. Auch Präsident Lula wurde seinerzeit von der Opposition der Mitwisserschaft der Korruptionsskandale beschuldigt. Beweise gab es aber nicht, Lulas Popularität erlitt keinen Einbruch. Das Wahlkampf-Pamphlet endet mit dem Aufruf „Wegen all diesem stimmen Christen nicht für Dilma.“