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José Henrique Bortoluci, Was von meinem Vater bleibt.

Das Buch „Was von meinem Vater bleibt“ verwebt zwei Ebenen miteinander: 

 

 Da ist zum einen die Lebensgeschichte des Vaters, der zwar als erster seiner Familie eine schulische Bildung genoss, jedoch schon im fünften Schuljahr von der Schule abgehen musste, um Geld zu verdienen. Über 50 Jahre arbeitet er als Fernfahrer mit dem Traum, Transportunternehmer zu werden und durch selbstständige Arbeit finanziell aufzusteigen. Seine Erinnerungen sind geprägt durch seine Fahrten zur Zeit des Baus der Transamazonica, jenes Vorhabens der Militärdiktatur, auf dem Landweg Atlantik und Pazifik miteinander zu verbinden. Mit Gütern wie Werkzeug, Maschinen und Baumaterial war er oft wochenlang unterwegs zu den großen Baustellen im Amazonasgebiet.
Auf einer zweiten Ebene verknüpft der Soziologe Bortuloci die Erzählungen seines Vaters mit der jüngeren Geschichte Brasiliens. Er reflektiert den eingeschlagenen Entwicklungsweg des Landes und stellt dessen Implikationen dar: Die Ost-West-Trasse mitten durch die bis dahin weitgehend intakte Amazonasregion zerriss den Lebensraum von 28 indigenen Völkern, entzog diesen ihre Lebensgrundlage, führte zu Massakern und Vertreibung und zerstörte weite Teile des für das Weltklima bedeutsamen Ökosystems.
Das Buch beeindruckt nicht nur durch die bildhaften Erzählungen eines einfachen Mannes, sondern gewinnt auch an Intimität durch die berührende Darstellung und Sorge des Sohnes um die schwere Erkrankung des Vaters.
Zugleich wird die Problematik des sozialen Aufstiegs des aus einfachen Verhältnissen kommenden Autors thematisiert. Er beschreibt seinen Versuch, seine Eltern und ihre Welt zu verstehen und zugleich seinen eigenen Platz in der Welt zu begreifen.
Bortolucis Werk ist in Brasilien ein Bestseller und erschien in 10 Sprachen.

 

Christine Moser

BrasilienNachrichten 172/2025